Gesellschaftlicher Paradigmenwechsel 2020 – Szenarien für eine andere demokratische Gesellschaft im beginnenden 2. Jahrtausend n. Chr. – Connect the nets – Verbindet die Netze

Nun zu den meiner Meinung nach wichtigsten Bausteinen für eine andere demokratische Gesellschaft. Was bedeutet denn eine andere demokratische Gesellschaft genau?! Ich erkläre das im Folgenden anhand der von mir konstatierten Schwerpunkte.
Connect the nets – Verbindet die Netze.


Die bestehenden Netzwerke zu verbinden, ist eine seit Jahren zu vernehmende Forderung der Szene der Beratungsdienstleistungen sowie derer, die in Netzwerken aktiv sind. Mein persönliches Anliegen ist hierbei, verbindet die alternativen Netze miteinander. Die sozialen Medien erzeugen eine ungemeine Dynamik, die viele etablierten Gesellschaften schon dermaßen durcheinander rüttelt, dass sie innerhalb von nur einem Jahr nicht mehr existent waren. Aber was kommt danach! Davon berichten die meisten Medien nicht! Wer selbst in den sozialen Medien tätig ist, weiß jetzt wovon ich spreche! Das miteinander Verbinden alternativer Denk- und Handlungsstrukturen ist das Gebot der Stunde, so denke ich zumindestens. Und die Technik ist längst reif dafür. Allerdings sehen sich diese hier angesprochenen Handlungsoptionen einer gehörigen Gegenströmung etablierter Netzwerke gegenüber und dazu möchte aus gegebenem Anlass ein paar Worte verlieren.
Allzu oft geschehen in den bestehenden Netzwerken unter der vermeintlich tollen Überschrift „Netzwerk“ rein organisationstechnisch gesehen dieselben Dinge, wie wir seit langer Zeit als kritische Betrachtungsergebnisse von gesellschaftlichen Netzwerkuntersuchungen ohne das Internet (ja, Netzwerke sind so alt wie die Menschheit selbst!) der historisch und sozialen Wissenschaften zig-hundertfach bestätigt bekommen: die Verselbständigung und damit verbunden die Seperatisierung der bestehenden Netzwerke im Laufe der Zeit. Zunächst als gesellschafts- und funktionsübergreifende Verbindungselemente etabliert, laufen Netzwerke in dieselbe Organisationsfalle wie z. B. – also in der Prä-Internet-Welt – zuvor aus denselben Motiven geschaffene Vereins-, GmbH und AG-Netzwerke. Sie lösen sich aus dem eigentlichen Initiationspathos und beginnen, sich zu verselbständigen. Die in ihnen arbeitenden Kräfte „saugen zunächst Honig“ aus dem Kreis der Sponsoren und finanziell-organisatorischen Institutionen, um sich dann im Laufe der Zeit mehr und mehr zu seperatisieren und sich mit sich selbst zu beschäftigen und die sie einst gründenen Strukturen zu leblosen Hüllen zu machen. Dazu wurden solche Netzwerke aber nicht gegründet, sondern in der überwiegenden Zahl der Fälle sollen sie unterstützend tätig werden und nicht ersetzend!  Dies „Ablösen“ geschieht dann durch einfache Mechanismen wie, dass für eine GmbH z. B. lediglich ein Aufsichtsrat zuständig ist und sonst niemand und dass dieser Aufsichtsrat im Falle von PPP-GmbH einen starken industriellen Überhang aufweist und die öffentlichen Gesellschafter nicht mehr ebenbürtig sind. Da diese Aufsichtsräte qua Funktion zu Stillschweigen verpflichtet sind und dadurch vor allem im staatlichen Umfeld der Gesellschafter ernsthafte Kommunikationsbrüche entstehen können, wird den Handelnden meist erst dann bewusst, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist. Dann nämlich, wenn z. B. Liquiditätsprobleme durch etwaige staatliche Prüfungen bei der Fördermittelbeschaffung und oder einschlägigen Richtlinienverstößen nach und nach bekannt werden und sich dann die Frage stellt, wer hat das zu verantworten, warum wussten die öffentlichen Gesellschafter darüber nicht Bescheid!?! Industrielle LenkerInnen haben nun einmal ganz andere Denk- und Handlungsmuster als VertreterInnen des staatliche öffentlichen oder demokratisch legitimierten Bereichs. Erste sind sog. MacherInnen, deren Zielsetzung und dazugehörige Entscheidungsfindungsmuster z. B. gar nicht auf Beteiligungssysteme ausgelegt sind, sondern auf effiziente Zielerreichungsabläufe. Und so passiert es immer häufiger, dass sich so gesteuerte PPP-Netzwerke z. B. völlig von der kommunalen Basis abheben und nur deren Ressourcen (meist nur Finanzmittel, ab und zu auch Personal) aufnehmen, ein Rückfluss an Ressourcen aber nicht mehr stattfindet. Zunehmend werden dann die vermeintlich Starken mit Ergebnissen des Netzes versorgt, nicht aber die Schwachen. Diese Evolution von Netzwerken wird für gewöhnlich als positives Ergebnis kommuniziert, denn wer möchte schon den Starken widersprechen, wenn sie ihre Stärke ausspielen (z. B. Geld und Personal). Was dann in solch strukturierten Netzwerken passiert kann man auch als morbiden Zerfall konstatieren, denn hier sind über kurz oder lang die viel zitierten Abläufe festgefahrener Netzwerk-Systeme klar zu diagnostizieren: fehlende Transparenz, manipulative und einseitige Abläufe, korrumptive Verfilzung u.ä..
Insofern behaupte ich jetzt, dass eine Vernetzung niemals enden darf und dass man die Verbindung der Netzknoten rechtlich organisatorisch so absichern sollte, dass es keinen einzigen Kommunikations- und Beschlussausführungbruch geben kann.
Zudem dürfen sich Netze nicht so entwickeln, dass sie zu einem Abheben gegenüber den eigentlichen Initiatoren und meist auch Geldgebern führen können. Sonst besteht nachweislich die Gefahr, dass karriereorientierte und machtbeflissene Einzelwesen diese Organisationen korrumpieren und vor allem manipulieren zur ausschließlichen Erreichung ihren ureigensten Zwecke und Ziele. Dem kann man durch organisatorische Vorgaben qua Gesellschaftervertrag z. B. sehr gut vorbeugen, indem u.a. eine Parität bei Aufsichtsräten oder indem eine kommunikative und geregelte Transparenz bei Auftragsvergaben u.ä. festgeschrieben wird. Zudem kann man regeln, dass neue Netzwerkpartner einfach und unkompliziert aufgenommen werden können, wenn diese z. B. bestimmten gesellschaftlichen Sektoren oder spezifischen Branchen zugehörig sind.
Wenn sich die einzelnen Netze dann besser verbinden lassen und oder bestehende Netze qua Regelwerk nicht nach außen abschließbar gemacht werden, dann können die eben genannten Einzelwesen weniger manipulativ und korrumptiv agieren, was in vielen Fällen u.a. zu einer besseren Übersichtlichkeit von Synergiepotenzialen führt, vor allem eben auch für vermeintlich weniger machtvolle und finanzstarke Netzwerke und oder  Unternehmen u.ä.., denn sie können sich dann deutlich einfacher in den starken Netzwerken beteiligen und auch Verantwortung übernehmen.
Ich betrachte es nach jahrelanger Beobachtung als eminent wichtig, dass sich Netzwerke immer auch ein gesellschaftliches Oberziel geben sollten, was da lauten könnte: Wir helfen denen, die aus welchen Gründen auch immer, nicht die Mittel und oder Fähigkeiten haben, an den Zielsetzungen unseres Netzwerkes teilzuhaben. Die einseitigen Zielsetzungen einer vermeintlich besseren Welt, wie z. B. Schaffung von Arbeitsplätzen, Gewinnung von sehr gut Ausgebildeten sind vor allem wenn die Kontrollmechanismen nicht von vorne herein genau deklariert werden, nur wenig nachvollziehbar und dienen m. E. deshalb mehr der Selbstbeweihräucherung oder Sedierung umgebender resp. am bestehenden Netzwerk teilnehmender Gesellschaftsorganisationen. Gerade das so butterweich schön klingende Ziel der Schaffung von neuen Arbeitsplätzen, um dieses eine Beispiel herauszupicken, erübrigt sich in der überwiegenden Zahl der Fälle darin, dass die Netzwerk-Institution selbst immer mehr wächst und wächst, doch die eigentlichen Initiatoren in ihren jeweiligen Zuständigkeitsbereichen davon nichts spüren oder dort sogar über kurz oder lang Personal abgebaut wird. Als kleines Bonmot sei hier noch angemerkt, dass diese Art von Netzwerkinstitutionen nur deshalb rein Arbeitsplatz bezogen wachsen, weil sie geradezu aufgabenparasitär von den jeweiligen Aufsichtsräten manipuliert werden und so nach und nach Personal von den „starken“ Gesellschaftern integriert wird und bei den „schwachen“ dagegen sogar Personalüberhänge entstehen, das das Aufgabengefüge zugunsten des Netzwerkes verschoben wurden. Es werden zum Teil auf sehr geschickte Weise Finanzen und Zuständigkeiten so geregelt, dass die ursprünglichen Intentionen, so abstrakt sie absichtlich ja gewählt wurden, geradezu als Heilsbringerbotschaften ausgelegt werden können, bei genauerer Betrachtung jedoch den Großteil der „schwachen“ Geldgeber eigentlich nur aussaugen und keine zusätzlichen Erträge für diese generieren. Ein besonders gelungenes Beispiel ist dafür die „Allianz für die Region GmbH“ aus Braunschweig, deren innere Struktur durch zwei oberzentrale Gesellschafter, in den letzten Jahren sogar nur noch von einer Autostadt im Umfeld, regelrecht umgekrempelt und inzwischen nahezu vollständig durch die Netzwerke der Autostadt okkupiert wurde. Hier hat der vermeintliche Leitspruch, dass man in der Region auf Wohl und Wehe diesem einen größten Autobauer Europas ausgeliefert sei, seine perfide Umsetzung gefunden. Statt einen gehörigen Teil der Ressourcen in alternative Strukturen oder räumlich gesehen in eine entsprechende Streuung von Ressourcen zu setzen, um dieses Abhängigkeiten zu vermindern, wird inzwischen das genaue Gegenteil gemacht. Man hat sich gesellschaftspolitisch, aber auch finanzsynergistisch vollständig aufgegeben und es gilt kommunikationspolitisch sogar als Nestbeschmutzung, überhaupt diese einseitigen Abhängigkeiten öffentlich zu diskutieren.
Also aufgepasst, wenn sich z. B. PPP-Netze gründen und noch mehr aufgepasst, wenn es darum geht, diese zu steuern, zu kontrollieren und vor allem transparent und frei zugänglich zu halten!
Dagegen hilft im Falle des Themas „Netzwerke zu verbinden“ nach meinem persönlichen Dafürhalten nur, dass sich neue und vorhandene kleinere Netzwerke unterhalb der großen Netzwerke miteinander verbinden oder eben Teilnahmemöglichkeiten in dem bestehenden großen Netzwerk einfordern über die kleineren Gesellschafter dieses großen Netzwerkes.
Und ich halte es in diesem Kontext sogar für notwendiger, dass z. B. die staatlichen Gesellschafter großer Netzwerke vermehrt ihr Augenmerk auf eine freie Zugänglichkeit bestehender Netzwerke legen und dafür Sorge tragen oder sogar Unterstützung in Form von Ressourcen bieten, dass sich kleinere Netzwerke miteinander vernetzen oder sogar neue Netzwerke gegründet werden können. Schließlich sollte es gerade kommunalen und damit staatlichen Gesellschaftern nicht darum gehen, dass es einem Starken noch besser geht sondern die Schwachen Zugänge und Unterstützung erfahren. Sonst hat der Staat meiner Meinung nach seine gesellschaftliche Regulativfunktion verloren und aufgegeben. Sollte es bereits geschehen sein, dass der Staat sich auf seinen verschiedenen Ebenen von der industriellen Lobby hat korrumpieren lassen, ist es umso wichtiger, dass sich freie, nicht-staatliche Netzwerke miteinander verbinden, um synergistische Wirkungen zu generieren und gemeinsam einfach gesellschaftlich besser wahrnehmbar werden.